Etwas Neues ausprobieren kostet Zeit –  in der Küche, wie im Business. Da helfen klare Prozesse und eine Planung, damit alles rechtzeitig auf den Tisch kommt.

Diese Erfahrung habe ich heute wieder mal gemacht, als ich für meine Familie ein neues Gericht ausprobiert hatte.

Die Hirschschnitzel waren kein Problem, ein bisschen vorgebraten konnten sie dann im Rohr fertigschmoren. Das Rotkraut, frisch gehobelt und mit Maroni finalisiert, war auch keine große Hexerei. Zwar hab ich das Rezept nicht mehr gefunden, doch es aus meiner Erinnerung ganz gut reproduziert, nur die Menge war eine Herausforderung, hatte ich doch durch einen unbeabsichtigten Doppeleinkauf gleich 2 Köpfe mit insgesamt über 2,5 kg zu verarbeiten. Kein Nachteil ohne Vorteil – hab ich doch endlich das Zusatzfeature meiner Küchenmaschine ausprobiert um das Ding zu schneiden. Mein Reflexions-Gedanke dazu: Kleine Projekte können wir oft selbst handeln, große Projekte brauchen vielleicht externe Unterstützung.

Die Spätzle aus Hanfmehl mache ich sicher nicht mehr – naja, zumindest nicht so. Jeder, der schon mal Spätzle gemacht hat, weiß, was das für eine Arbeit ist und wenn sie dann nicht schmecken… Hier hätte ich vielleicht auch ein wenig mutiger sein können und experimentieren, was passiert, wenn man mehr Mehl nimmt oder mehr Eier. Wenn man das Mehl nicht kennt, weiß man aber nicht, wie es im Zusammenspiel reagiert. Wie z.B. neue Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter aus einem anderen Kulturkreis. Die reagieren vielleicht in bestimmten Situationen auch ganz anders als gedacht.

Das Timing ist beim Kochen ein Knackpunkt. Wenn zwei oder drei Prozesse parallel laufen, wie können wir diese gut aufeinander abstimmen? Wenn das eine im Rohr schmort, das andere am Herd köchelt und das dritte noch Zubereitungszeit benötigt?

Wenn der Zeitdruck, die erwartungsvollen Augen, die knurrenden Mägen und ein bereits gedeckter Tisch locken, ist’s bei mir nicht mehr so weit her mit der Experimentierfreude. Also der Geschmack der Hanf-Spätzle war nicht berauschend, ich werde noch entscheiden, ob ich ihnen mit Variationen davon eine 2. Chance gebe. 😉 Zum Glück gibt’s immer einen Plan B. Somit kamen zwar mehr Kohlenhydrate wie geplant auf den Teller, aber ein paar Nudeln als Beilage machen immer was her. Oh ja, das kenne ich aus meinem Seminaralltag. Das „ich bin ok/du bist ok -Modell“ aus der Transaktionsanalyse hat mir – und damit meinen TeilnehmerInnen im letzten Jahr zweimal in einer angespannten Lage spontan gute Dienste geleistet.

Und das Learning? Das ist das wertvolle an Experimenten, wenn sie im geschützten Raum stattfinden, kann man ohne große Folgen seine Lehren daraus ziehen. Geschmäcker sind verschieden. Nur, weil es für einen nicht passt, heißt das nicht, dass es (und das kann auch für eine Methode oder ein Modell gelten) nicht für jemand anderen passen könnte. Hoch anrechnen muss ich meiner Familie, dass jeder von den Hanfspätzle gegessen hat, um sich selbst ein Urteil zu bilden.

Wenn ich Sie mit meinen Gedanken rund um’s Kochen inspiriert habe, dann freut mich das und stelle Ihnen 2 Gustostückerl aus meinem „Menüplan“ für das kommende Jahr vor:

„Viele Köche verderben nicht den Brei! – kochendes Teamtraining“

„Kochend die Führung übernehmen“ – ein Praxisseminar