Wenn wir neu einen Job anfangen, dann betreten wir dieses Neuland meist mit einer Mischung aus Nervosität, Neugier, Aufgeregtheit, Mut, Aufbruchsstimmung und Vorsicht. All das ist berechtigt und angebracht. Wichtig ist eine Ausgeglichenheit zwischen jenen Stimmungen, die uns voranschreiten und jenen, die uns zaudern lassen. Hier gibt’s 5 Tipps, die Sie gut durch die ersten 100 Tage bringen.

Lassen Sie nicht den Chef raushängen.

Ihren Mitarbeitenden – unabhängig davon, ob Sie sich vorher schon kannten oder nicht – wird es ähnlich gehen, wie Ihnen. Je unbekannter, desto intensiver. Geben Sie Sicherheit, wo Sie es können – und das wird zu Anfang mal Ihre Person betreffen. Oft müssen Sie sich inhaltlich erst einarbeiten, aber was Sie bald und kontinuierlich kommunizieren können, ist alles, was Ihren Arbeitsstil, Ihre Vorlieben und Ihre Werte betrifft und worauf sich die Mitarbeitenden einstimmen können. Gehen Sie in den Dialog und lassen Sie nicht den Chef raushängen á la „das entscheide ja jetzt wohl ich“.

Nehmen Sie Hilfe an.

Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten und mit der HR. Gibt es ein Mentoring- oder Buddy-Programm? Perfekt! Oft sind es Kultur-Themen oder Entscheidungen, die vor unserer Zeit getroffen wurden, die auf uns befremdlich wirken, wenn wir aus ganz anderen Organisationen kommen. Nehmen Sie die Hilfe an und stellen Sie umfassend Fragen, deren Antworten für Sie Orientierung und Sicherheit geben. Wenn es kein offizielles Unterstützungs-Programm gibt, schauen Sie, wer schon lange in der Organisation ist und Ihnen Historisches erzählen kann. Die dadurch erlangte Sicherheit können Sie dann gut wieder nach außen und für Ihre Mitarbeitenden ausstrahlen – das ist das Ziel.

Nehmen Sie sich Zeit.

Tja – woher nehmen? Wenn Sie nicht gleich Feuerwehr spielen müssen, weil Sie in einer Notsituation geholt wurden, dann nehmen Sie sich Zeit, Ihre Leute, deren Talente und deren Nöte kennen zu lernen. Vielleicht wurden Sie vorher auch schon über Ihr Team informiert – machen Sie sich unbedingt selbst ein Bild. Führen Sie 1:1-Gespräche, setzen Sie aber auch Teamklausuren und themenbezogene Meetings an, in denen Sie sich über den Stand der Aufgaben und Projekte berichten lassen und zugleich beobachten können, wie die Leute miteinander umgehen. Seien Sie ein aufmerksamer Zuhörer, benutzen Sie Methoden des Paraphrasierens oder des aktiven Zuhörens und ziehen Sie Feedbackschleifen. Ihre Mitarbeitenden werden dankbar dafür sein, dass Sie dadurch Aufmerksamkeit und Wertschätzung erhalten.

Arbeiten Sie sich ein.

Nehmen Sie sich – in Absprache mit Ihrer Führungskraft und mit Ihren Mitarbeitenden – ein oder zwei Sachthemen zur Brust und schauen Sie in die Details. Nur zum Kennenlernen – nicht für immer. Es ist wichtig, ein wenig die Details und die Erfordernisse der konkreten operativen Tätigkeit kennen zu lernen, um zu wissen, womit dann die Mitarbeitenden hadern oder zu Ihnen um Unterstützung kommen.

Seien sie ein proaktiver Team-Entwickler.

Wenn Sie ein Team führen, dann werfen Sie mit Ihrem Neueinstieg das Team automatisch in die Forming-Phase zurück, egal, wie weit es mit seiner Entwicklung bereits war. Eine neue Führungskraft gibt neue Strukturen, trifft neue Entscheidungen und greift manchmal in die Abläufe der direkten Arbeit seiner Leute ein, weil Prozesse verändert oder eine neue Software eingeführt wird. Diese Phase ist naturgemäß von einem direktiven Führungsstil geprägt, denn trotz aller Partizipation und Kennenlern-Gespräche, die neue Struktur machen Sie und Sie greifen ein. Bereiten Sie das Team darauf vor und erklären Sie sich in Ihrer Denk- und Vorgehensweise. Machen Sie Ihren Führungsstil transparent und berechenbar. Zeigen Sie auf, dass eine neue Entwicklung startet und das Team sich wieder rasch in den Selbstständigkeitsgrad entwickeln wird, in dem es sich zuvor befand, wenn ein konstruktives Miteinander gelebt wird. Organisieren Sie ein Teamtraining. Seien Sie wachsam, wenn es aus der Forming in die Storming-Phase geht. Die gehört dazu, wie das Amen im Gebet.

Wenn Sie an mehr Tipps zum Einstieg in eine neue Führungsrolle interessiert sind, gibt’s in noch im März ein Seminar beim FVH Forum Verlag Herkert: Vom Mitarbeiter zur Führungskraft“. Sehr zu empfehlen! 😉

Auch sehr zu empfehlen – vor allem, wenn Sie oder Ihre Organisation dabei sind, sich in Agilität zu üben: LEAD Agile – die Führungssimulation im neuen Gewand. Erleben Sie selbst, was mit Ihrer Führungsrolle passiert, wenn Ihr Unternehmen sich hierarchisch verschlankt und mehr Verantwortung in die Abteilungen und auf die Mitarbeitenden direkt übertragen wird. Spannend!