Manchmal kommen wir in Situationen, die uns an unsere Grenzen bringen. Das ist nicht immer besonders angenehm und kann hohen Stress erzeugen.  Wir können uns aber auf Überraschungen dieser Art dennoch ein wenig vorbereiten, in dem wir verschiedene Situationen durchspielen und reflektieren. Im Businessalltag ist das oft nicht möglich, daher arbeite ich sehr gerne mit Simulationen.

Gerne erinnere ich mich da beispielsweise an die Durchführung des LEAD Reality Training einer Nachwuchsführungsgruppe aus dem Vorjahr. Besonders 2 Teilnehmende sind mir noch emotional deutlich in Erinnerung. Die beiden Tage Training waren intensiv, worauf wir ja vorbereitet waren, nur die jungen, motivierten Teilnehmenden wussten zu Beginn nicht ganz, was sie erwartete. Sie waren durchaus motiviert, so wie man es als Trainerin gerne hat. Nervös, aber aufmerksam, eifrig und noch etwas zurückhaltend zugleich.

Der erste Tag ging mit weniger dramatischen Erlebnissen und Erkenntnissen, aber merklich zu Herzen genommenem Feedback zu Ende. Die Arbeitsaufträge und Präsentationen, Gespräche und Interventionen erfolgten zusehends zielorientierter und doch war eine Spaltung der Stimmung erkennbar. Der 2. Tag – mit kurzer Nacht dazwischen – begann dynamisch und eskalierte dann wie durch Zufall – den es ja bekanntlich nicht gibt – in der Feedbackphase.

Ein Netz mit doppeltem Boden
Eine junge Nachwuchsführungskraft spürte, dass Sie die 60 Minuten Führungsverantwortung an ihre Grenzen geführt hatten und war emotional überfordert. Die Aufgabe zwar gut gemeistert, aber in totaler Anspannung und mit Sinken des Adrenalinpegels kam in der Entspannungsphase der Druck über das Tränenventil heraus. Und das war gut so. Die Simulation bietet ja immer ein „Netz und doppeltem Boden“ an. Gut, dass es hier bei uns und nicht in der Realsituation mit Mitarbeitern passiert. Sie erkannte, dass sie die nächsten beiden Jahre an sich selbst arbeiten möchte und noch keine Führungsverantwortung übernehmen wird. Das führte Sie auch in ihrer Abschlusspräsentation aus. Eine gute Entscheidung, die sie ohne LEAD Reality Training sicher nicht in dieser Form getroffen hätte.

Sicherheit gewinnen
Ein anderer Teilnehmer blühte hingegen total auf. Er übernahm in der letzten Simulationsrunde eine Führungsrolle und forderte uns im Briefing auf, die sprichwörtlichen Schrauben beim Setting noch ein wenig anzuziehen – er möchte an seine Grenzen kommen. Wir Trainer sprachen uns kurz ab – und wir lieferten, wie bestellt. Die Herausforderungen kamen und wurden gemeistert – nicht reibungslos, aber gemeistert. Beim Feedback saß er mit roten Wangen und sichtlich gezeichnet, aber mit einem Lächeln im Gesicht in der Runde. Bei der Abschlusspräsentation (Leadership Commitment) präsentierte er sich als „bereit“, ein Team und Führungsverantwortung zu übernehmen. Er hat durch das Erleben in der Simulation die nötige Sicherheit erlangt, kommende Herausforderungen zu bestehen. Beide Präsentationen hatten damals für mich „Gänsehaut-Charakter“ – und auch noch heute, wenn ich daran zurückdenke.

Das Schöne war, dass ich genau diesen jungen Mann im Folgejahr wieder getroffen habe. Und zwar als ich in diesem Unternehmen ein anderes Training für aktive Führungskräfte durchführen durfte, in dem er Teilnehmer war.
Schön, wenn Unternehmen auf Talente reagieren.