Manchmal mach ich mir zum Spaß oder zur Aufrechterhaltung der Konzentration bei längeren Autofahrten ein Spiel daraus, die Kennzeichen zu lesen oder auch zu merken (Oh mein Gott, wie ist das da dann mit dem Datenschutz?) und darüber zu philosophieren.

Das Autokennzeichen auf dem aktuellen Firmenwagen meines Mannes endet auf ein „F“. Es dauert immer ein wenig, bis ich mir ein neues Kennzeichen merke, aber dann sitzt es. Diesmal waren mein Alter, meine Geburtsreihenfolge und zwei andere Zahlen, die sich direkt an einander reihen, hilfreich es zu merken – und dann das F. Mein früherer Familienname beginnt mit F. Es steht bei mir auch für Family und für Freunde. Plötzlich begann ein Prozess der selektiven Wahrnehmung.

Mir fiel auf einmal eine ungewöhnliche Häufung von Fahrzeugen in Wien auf, deren Kennzeichen auf „F“ enden. Es war nicht jeden Tag so, aber an vielen Tagen. Vielleicht werden die grad (seit eineinhalb Jahren?) vermehrt vergeben? Nein, dass ist sicher nur selektive Wahrnehmung. Es sind schöne und entspannte Fahrten, wenn ich von vielen F-tragenden Autos umgeben bin. Ich fühle mich unter Freunden. Ich fühle mich sicher und habe die Idee, dass alle freundlich und fürsorglich mit mir und miteinander im Straßenverkehr umgehen. Es passiert auch nix. Ich will’s ja nicht verschreien, aber es ist wirklich so.

Dann fiel mir ein, dass in meiner Ausbildung im Potenzialfokus Center der Fokus auch auf das Positive gerichtet war. Immer auf das Gelingende, die Ressourcen, die Potenziale. Sehr cool. Vielleicht ist das Fahren unter „F“ deswegen so entspannt, weil mein Fokus auf das Gelingen im Straßenverkehr liegt.

Wenn wir es schaffen, den Fokus im Arbeitsalltag auch auf das Gelingen zu legen und unsere selektive Wahrnehmung so zu trainieren, dass wir uns gegenseitig beim Erfolg und beim Gelingen „erwischen“ und das dann noch ansprechen, produziert das automatisch eine positive Grundstimmung – mehr noch, es produziert eine Haltung des konstruktiven Miteinanders. Stellt Euch vor, ihr geht mit folgender Haltung durch Eure Organisation: „Lauter kompetente Leute, es ist toll, in so einem professionell arbeitenden Team zu sein, es ist schön, erfolgreich zu sein, Probleme sind nur Lösungen in Arbeitskleidung, …“ Whow – oder? Das wird ein guter Tag!

Es geht nicht darum, naiv zu sein und die kritischen Situationen nicht zu erkennen, es geht eher darum, seine Wahrnehmung so zu fokussieren, stets das Gute, das Gelingende zu erkennen und endlich aufzuhören mit dem ständigen Gejammere und Gesuder, das uns auf den Gängen, in den Raucherhöfen und in den Kaffeeecken entgegengrummelt. Sicher ist nicht überall alles rosa und gut. Aber wenn wir uns bemühen, das Gute zu entdecken, anzuerkennen und anzusprechen, tun wir uns alle gegenseitig etwas Gutes.

Erst vor kurzem habe ich Seminarteilnehmer aufgefordert, sich gegenseitig Komplimente zu machen. Metallverarbeitender, männerdominierter Schichtbetrieb in Wien. Na was glaubt ihr, wie die d’reingeschaut haben? Gelacht haben wir – und dann hat’s geklappt. Noch in verneinten Formen und zurückhaltend – aber ein Anfang. So etwas kann kulturverändernd sein.

Also – wird es heute ein guter Tag gewesen sein? Was werde ich dazu beigetragen haben, dass es ein guter Tag gewesen sein wird? Woran kann ich es erkennen und woran können es die anderen aus meinem Umfeld erkennen, dass es ein guter Tag gewesen sein wird?

Viele Fragen – und alle helfen, den Fokus zurecht zu rücken.