Heute hab ich auf meinem Fensterbrett die braunen, eingetrockneten Reste einer Zyklame gefunden, die ich vergessen habe.

Manche sagen es sei ja ein Wunder, dass die überhaupt um diese Jahreszeit noch lebt, aber das nordostseitige Fenster im ersten Stock, gleich neben der Orchidee, die seit sie hier steht, auch immer wieder antreibt und ihre Blütenpracht zeigt, dürfte doch ein Ort sein, an dem sie sich wohlfühlt. Was nützt das alles aber ohne Wasser? Nix. Vertrocknet und vergessen stand sie heute Morgen also da und ich hab mir die Zeit und Muße genommen, sie zu gießen, die vertrockneten und dürren Stiele auszusortieren, auszuzupfen, zu gießen, zu drehen und zu wenden, zu gießen und sie zu betrachten.

Sie hätte meine Aufmerksamkeit benötigt.

Da dachte ich nun an die letzten Wochen, in denen vieles andere Priorität hatte und ich einfach nicht und nicht die Blumen betrachtet und beachtet hatte, die so sehr meine Aufmerksamkeit benötigt hätten. Leider geht mir das immer wieder mit verschiedenen Lebensbereichen so. Manchmal sind es Hobbies, die einfach wieder in Vergessenheit geraten, manchmal Bücher, die halb angefangen im Stapel immer weiter nach unten rutschen, manchmal Beziehungen.

Wir sind die Meister unserer ToDo-List’s, unserer Generalbücher, unserer Zeitmanagement-Tools. Aber sind wir auch die Meister unserer Talente und unserer Leidenschaften? Oft nicht, oder? Die können genauso vertrocknen.

Leidenschaft hilft.

Ich hab mich ganz schon erschrocken, als ich die braune Zyklame heute entdeckt habe – als ob es einen Unterschied gemacht hätte, ob ich langsam oder schnell das Wasser in die leere Gießkanne auffüllte, lief ich doch schnellen Schrittes. Wenn wir entdecken, dass wir einen Bereich, der uns doch so wichtig ist, vernachlässigen, leiten wir oft Gegenmaßnahmen ein, die versuchen, zu überkompensieren, was zuvor nicht gemacht wurde. Auch nicht die hellste Idee. Es muss wieder ein Normalmaß gefunden werden, das lebbar ist. Ziele helfen, Rituale helfen, Leidenschaft hilft.

Auch mein Blog ist vertrocknet.

Der Herbst war sehr geschäftig – bis Ende Dezember hinein. Da war die Leidenschaft dahin – keine Inspiration für den Blog. Jetzt hat mich heute wieder die Muse geküsst. Ein gutes Zeichen. Hoffen wir, dass es wieder bergauf geht. Hilfreich waren sicher auch 2 extrem gelungene Aufträge, die ich heuer schon abwickeln durfte. Morgen kommt der nächste.  Ich freue mich schon – endlich wieder!

Wie ihr seht, konnte der schlimmste Fall abgewendet werden. Die Narben und Kränkungen sind noch zu sehen. Aber es wird wieder. Da bin ich zuversichtlich!

Und noch eine Erkenntnis: Wieder mal Zeit, mein Resilienz-Wissen an mir selbst anzuwenden!